Arbeitstagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) "Basisstationen und Funknetze" und Gesundheit (Genf, 17.-18. Juni 2005)

Eindrücke eines Mediziners

Das internationale Interesse an dieser Arbeitstagung war groß und die WHO musste die Teilnehmerliste bei 200 Personen schliessen... Es nahmen nur wenige Mediziner teil, die Mehrzahl der Teilnehmer waren Physiker, Biologen, Ingenieure sowie Vertreter staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen oder der Industrie.

Zwei Hauptthemen: Gesundheitliche Wirkungen und Dosimetrie
Die Sitzungen des ersten Tages umfassten im wesentlichen zwei Themengebiete:

  1. Existiert irgend ein Nachweis für Gesundheitsgefahren durch schwache Hochfrequenzfelder von Mobilfunk Basisstationen, und
  2. durch welche Methoden könnte das Maß einer Exposition bewertet werden z.B. durch individuelle Dosimetrie?
Zur Beantwortung der ersten Frage: Bis heute ist die Wissenschaft nicht in der Lage, irgend ein Gesundheitsrisiko zu bestätigen, welches durch Basisstationen hervorgerufen würde. Umfangreiche Forschungen wurden durchgeführt, in vitro, in vivo und epidemiologisch und wenigen Studien mit positivem Befund steht eine Mehrheit von Studien gegenüber, die diesen nicht bestätigen und die keinen Zusammenhang zwischen biologischen Wirkungen oder Gesundheitsproblemen und schwacher Hochfrequenzstrahlung finden konnten.

Zum zweiten Punkt über die Expositionsbewertung und Dosimetrie wurde eine neue Generation tragbarer persönlicher Dosimeter vorgestellt, welche von einer Person problemlos während einer ganzen Woche getragen werden können. Alle Daten einer Feldeinwirkung können frequenzspezifisch ausgewertet werden. Aber diese sollten mit einem GPS-System kombiniert werden, um den korrekten Aufenthaltsort der Person dem Maß der Exposition zuordnen zu können. Derartige Systeme würden es auch ermöglichen, die berufliche Exposition z.B. für Arbeiter auf Masten und Dächern bewerten zu können.

Klare Worte Repacholis über Elektrosensibilität
Im Zusammenhang mit den Problemen bei Funkmasten steht die Diskussion über Elektrosensibilität ES (weniger korrekt EHS - Elektrohypersensibilität). In Bezug auf die WHO-Tagung in Prag letztes Jahr, die sich mit ES/EHS befasste (siehe Bericht auf der NIRMED-Website) fand Mike Repacholi, der Koordinator der Sektion Strahlung und Umweltgesundheit" bei der WHO überraschend klare Worte über diese Erscheinung. Die WHO ist gerade dabei ein Faktenblatt über EHS zu erstellen. Gegenwärtig sehen wir absolut keinen Zusammenhang zwischen Hochfrequenzfeldern unterhalb der Grenzwerte und den im Zusammenhang mit EHS berichteten Symptomen. Insbesondere sind die elektromagnetischen Felder der Basisstationen so gering, als dass man sich irgend eine Wirkung vorstellen könnte. Alles deutet darauf hin, dass es sich dabei um Angst und Befürchtungen einzelner Personen handelt, wie dies bei jeder neuen Technologie beobachtet werden kann.

Ein Teilnehmer schrieb Repacholis Worte wie folgt nieder: (ins Deutsche übertragen)

"Die Symptome der Elektroüberempfindlichkeit stehen in KEINEM Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern. Mehr als 31 Studien haben gezeigt, dass kein Zusammenhang besteht. Die WHO wird ein Faktenblatt erstellen, das diesen Sachverhalt erklärt. Diese Opfermentalität ist durch einige Regierungen verbreitet worden. Wir können vergleichbare Effekte bei anderen neuen Technologien (wie Bildschirme usw.) beobachten. Bewiesen ist, dass Felder, wie sie von Basisstationen ausgehen, den Molekülen (von biologischem Gewebe) in keiner Weise etwas anhaben können. Die Angst, dass irgend etwas in Zukunft geschehen könnte, ruft diesen Effekt hervor. WHO EMF gibt exakt den Stand der Wissenschaft wieder und wird sich nicht an der Verbreitung von Märchen beteiligen."
http://f27.parsimony.net/forum67168/messages/10815.htm

Berufliche Aspekte, Dosis-Wirkungsbetrachtungen
Ein weiterer Tagesordnungspunkt, der insbesondere durch einige teilnehmende Arbeitsmediziner diskutiert wurde, war das Problem der Dosis- und Wirkungs-Beziehung. Könnten wir uns wirklich Wirkungen oder sogar Krankheiten aufgrund schwacher Felder vorstellen, wenn auf der anderen Seite berufliche Hochfrequenzexpositionen wesentlich stärker sind als diese schwachen Felder (ein Faktor von 1000 und höher), aber bis jetzt keine Berufskrankheit dadurch bekannt ist (unterhalb der Grenzwerte). Eine wirkliche Hochfrequenzüberbelastung ist ein Schadensereignis und im WHO-Faktenblatt "RF overexposure" gut beschrieben.

Placebo und Nocebo Effekte
Aus den Eindrücken dieses ersten Tages ergab sich, dass eine große Kluft zwischen wissenschaftlichen Ergebnissen und Ängsten in der Bevölkerung besteht. Es ist altbekannt, dass alleine die Angst einen ursächlichen Auslöser für schwerwiegende Symptome und Beschwerden darstellt. Aus diesem Grund muss ein Mediziner eine Gratwanderung unternehmen, zwischen dem Warnen vor möglichen Folgen und der Erzeugung oder Auslösung von Ängsten bei Personen oder in der Öffentlichkeit, in Verbindung mit willkürlichen Ursachen ohne jeglichen wissenschaftlichen Nachweis. Ähnlich dem Placebo-Effekt führt dies zum Nocebo-Effekt, einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung einer Schädigung.

Vorschriften, Interessensvertreter und Risikokommunikation
Der zweite Tag konzentrierte sich auf die Behandlung der Besorgnis Einzelner und der Öffentlichkeit über Basisstationen und Funkeinrichtungen. Verschiedene Alternativen nationaler Verfahrensweisen wurden vorgestellt und nichtstaatliche Organisationen zeigten, wie dieses Problem in Teilen der Bevölkerung diskutiert wird.

Zusammenfassung
... es wurden keine neuen Auffassungen diskutiert oder präsentiert, aber einige klare Stellungnahmen, eine Menge von persönlichen Kontakten und der Erfahrungsaustausch waren es wert, an dieser Arbeitstagung teilzunehmen. Vielen Dank an die fleißigen Mitarbeiter der WHO, die diese gut besuchten Konferenzen organisierten.

Prof. Dr. med. Reinhold Berz,
MD InfraMedic AG
An der Steig 6 D-88483
Burgrieden-Rot
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E-Mail reinhold.berz@inframedic.de www.inframedic.de www.nirmed.org

Quelle: NIRMED, Übersetzung aus dem Englischen


Originaldokument bei NIRMED
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