94.* Die Besorgnis über mögliche Gesundheitsgefahren durch "elektromagnetische Strahlen" nimmt in der Bevölkerung zu. Bislang fehlen abschließende Erkenntnisse hinsichtlich der Wirkung von elektromagnetischen Feldern auf die Gesundheit des Menschen. Die Ergebnisse bisheriger wissenschaftlicher Untersuchungen deuten nicht auf einen begründeten Verdacht für ein Gesundheitsrisiko hin. So geben die im Umkreis von Mobilfunk-Sendeanlagen durchgeführten und bislang veröffentlichten Studien keine Hinweise auf relevante gesundheitliche Risiken. Diese Basisstationen emittieren zudem vergleichsweise niedrige Felder. Für die derzeit auf dem Markt befindlichen Mobilfunkgeräte ist gewährleistet, dass der SAR-Grenzwert von 20 mW/10 g Körpergewicht eingehalten wird. Der Umweltrat sieht daher zur Zeit keine Notwendigkeit, die Grenzwerte zum vorsorglichen Schutz der Bevölkerung herabzusetzen. Er empfiehlt jedoch, zum Ausschluss etwaiger Restrisiken weitere Forschung zu unterstützen.
95.* Über die Errichtung neuer Anlagen, die relevante elektromagnetische Emissionen verursachen, sollten Bürger umfassend informiert werden. Weiterhin sollten Vertreter der Kommunen in die Planung der Standorte frühzeitig einbezogen werden. Dazu gibt es in Deutschland bereits eine freiwillige Vereinbarung der Mobilfunkbetreiber mit dem Deutschen Städtetag, dem Deutschen Landkreistag und dem Städte- und Gemeindebund, in der erklärt wird, dass neue Standorte für Mobilfunksendeanlagen einvernehmlich mit den Kommunen realisiert werden sollen und die notwendige Infrastruktur konfliktfrei aufgebaut werden soll.
Insgesamt hält der Umweltrat eine Fortführung laufender Forschungsprojekte und die Unterstützung weiterführender Studien in den genannten Bereichen für notwendig, um die noch ungeklärten Fragen im Zusammenhang mit der häuslichen Stromversorgung und elektromagnetischen Feldern insbesondere des Mobilfunks abschließend zu klären. Eindeutige wissenschaftliche Ergebnisse, die der Bevölkerung durch eine breit angelegte Risikokommunikation vermittelt werden, können zu einer Versachlichung der Diskussion führen. Unbegründete Bedenken könnten dabei abgebaut werden. Von besonderem wissenschaftlichen Interesse sind Untersuchungen, die systematisch Beschwerdehäufigkeiten, Befindlichkeitsstörungen und Änderungen in der Lebensqualität unter dem Einfluss elektromagnetischer Felder erfassen.
Quelle: Der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen
Das Kapitel 3.2.2.3. über elektromagnetische Felder aus der Langfassung des Umweltgutachtens 2002 als pdf-File (73 kB).