Seriösen Wissenschaftlern zuhören
Zum Bericht "Der menschliche Körper als Antenne" in der Ausgabe vom 30. Januar:
Es ist nachvollziehbar, dass Menschen angesichts wuchernder Mobilfunknetze besorgt sind. Es ist auch nachvollziehbar, dass Menschen skeptisch sind, wenn Mobilfunkanbieter die Technik, mit der sie ihr Geld verdienen, als unbedenklich darstellen. Aber auch wenn Verschwörungstheorien ihren Reiz haben, sind sie nicht automatisch richtig.
Und gerade in Sachen Mobilfunk könnte man es besser wissen: Die Technik ist mittlerweile gut erforscht, und was man weiß, gibt in vielerlei Hinsicht Anlass zur Entwarnung. Wenn man statt selbst ernannter "Experten" besser Fachleute zu Wort kommen ließe, könnte man vieles besser wissen: Der menschliche Körper fängt elektromagnetische Strahlung zwar ähnlich einer "Antenne" auf. Das ist allerdings noch lange kein Grund anzunehmen, dass damit ein Gesundheitsrisiko verbunden sei: Die Strahlung der Mobilfunkmasten unterscheidet sich bis auf ihre Frequenz nicht grundlegend von Fernsehen und Rundfunk, und ihre höhere Frequenz grenzt den Spielraum für vorstellbare Einflüsse auf den Organismus eher ein.
"Gepulste" Strahlung unterscheidet sich von anderen elektromagnetischen Wellen nur dadurch, dass sie mehr Informationen transportiert, physikalisch spielt sich dabei nichts Neues ab. Von den fast 1000 Studien, die sich der Mobilfunktechnik gewidmet haben, wollen nur einzelne Anhaltspunkte für mögliche Gesundheitsrisiken gefunden haben, aber auch diese Anhaltspunkte erscheinen, bei Licht betrachtet, fragwürdig.
All das könnte man wissen, wenn man seriösen Wissenschaftlern zuhören würde. Etwa dem WDR-Wissenschaftsmagazin "Quarks & Co" vom 2.2. (siehe
http://www.quarks.de/ ) oder Jan Bernkopf, Physiker am Landesamt für Umweltschutz, der am 21.1. auf Einladung der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) nach Bamberg kam.
Umso bedauerlicher ist es, dass nun eine jener Veranstaltungen, die mit Halbwissen die allgemeine Hysterie anfeuern (in diesem Fall der Vortrag einer "Baubiologin" - was im Übrigen kein anerkannter Beruf ist, zumindest außerhalb der Esoterik-Szene) mit einem Mehrspalter bedacht und dieses Halbwissen unkommendiert abgedruckt wird. Es erscheint hier eine Pressemitteilung des Bundes Naturschutz unkritisch übernommen worden zu sein. Bedauerlich auch, dass der sonst so kompetente BUND sich bei diesem heiklen Thema auf so unqualifizierte Ratgeber verlässt.
Dipl.-Soz. Detlev Lück, Untere Königstraße 34, 96052 Bamberg
Dr. Christoph Bördlein, Hohensteinstr. 16, 96117 Memmelsdorf
GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.)
Regionalgruppe Bamberg
Quelle: Fränkischer Tag vom 09.02.2002
Link zur GWUP Bamberg
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