Auch im Landkreis Neumarkt sind mehrere Initiativen entstanden
DR. MED. HEINZ SPERBER, MEDIZINALDIREKTOR
LANDKREIS. Mindestens 75 Prozent der Bevölkerung nutzen ein Handy, hierbei inzwischen vor allem Kinder und Jugendliche. Es gibt rund 40 000 Mobilfunkmasten in Deutschland. Infolge der neuen UMTS-Technik werden künftig viele neue Mobilfunkmasten errichtet werden.
Zwischenzeitlich ist der Mobilfunk in Verruf gekommen. Schlagzeilen wie "Elektrosmog" oder "Krebszunahme durch Mobilfunk" bestimmen häufig die Medien. Auch bei uns im Landkreis bilden sich Initiativen, die gegen bestimmte Standorte für Mobilfunkmasten ankämpfen.
Es ist durchaus verständlich, wenn viele Menschen bei der teilweise unseriösen Diskussion ein mulmiges Gefühl bekommen und es ist daher auch verständlich, wenn Eltern Angst um die Gesundheit ihrer Kinder haben.
Dazu kommt das Gefühl der Machtlosigkeit. Mobilfunkmasten entstehen, ohne dass jemand gefragt wird. Kommunen haben in der Regel keine Möglichkeiten der Einflussnahme. Oft spielt ein gewisser Neid eine Rolle, wenn man erfährt, dass beträchtliche Summen Pacht bezahlt werden, wenn jemand seine Immobilie zur Verfügung stellt.
Mikrowelle kein Thema mehr
Bei objektiver Betrachtung ist es jedoch eigenartig, wenn bei dieser Diskussion immer nur der Mobilfunk erwähnt wird. Andere Quellen für elektromagnetische Wellen wie Rundfunkantennen, zum Beispiel am Dillberg, oder schnurlose Telefone werden meist nicht erwähnt. Vielleicht können sich auch noch viele Leser daran erinnern, dass vor zehn Jahren die gleiche Diskussion zum Thema Mikrowelle stattfand. Auch damals wurde von verschiedenen Seiten eine Krebsgefährdung befürchtet. Zwischenzeitlich ist diese Thema völlig aus der Diskussion verschwunden.
Hinzu kommt, dass im Zusammenhang mit Mobilfunk häufig physikalische Einheiten und Zahlen verwendet werden, mit denen die meisten von uns nichts anfangen können. Häufig erreicht man durch diese Einheiten und Zahlen nur eine große Verwirrung. Beim Telefonieren wird nicht, wie oft fälschlich angenommen, zwischen zwei Handys kommuniziert. Die Kommunikation läuft immer über einen Mobilfunkmast. Da nur eine gewisse Anzahl von Nutzern diesen Mast nutzen kann, werden bei zunehmender Anzahl von Handys mehr Mobilfunkmasten benötigt. In Städten gibt es wesentlich mehr Handy-Nutzer als auf dem Land. Aus diesem Grund findet sich in Städten nahezu an jeder Ecke ein Mobilfunkmast. Wichtig ist zu wissen, dass die Belastung durch elektromagnetische Wellen, die vom Handy ausgeht, wesentlich höher ist als die Belastung, die vom Mast ausgeht. Aus diesem Grunde müsste man sich eher über das Handy als über den Masten unterhalten.
Eine engmaschige Anordnung von Mobilfunkmasten dient einerseits einer Verbesserung des Handyempfangs und andererseits einer Verringerung der Belastung mit elektromagnetischen Wellen. Je weiter ein Mast vom Handy-Nutzer entfernt ist, desto mehr Energie muss aufgewendet werden und desto mehr elektromagnetische Belastung entsteht. Die Forderung mancher Mobilfunkgegner oder Betroffener, die Mobilfunkmasten weit weg vom Wohngebiet zu platzieren, ist daher in aller Regel nicht besonders sinnvoll. Meist wird hierdurch nur eine optisch schöne Lösung erreicht. Für die Bevölkerung die Handys zum Telefonieren benutzt, tritt hierdurch eher eine Verschlechterung ein.
Es gibt zwischenzeitlich etwa 20 000 Studien, die sich mit dem Thema Mobilfunk beschäftigt haben, jedes Jahr kommen rund 500 bis 1000 Studien hinzu. Ein Laie kann diese Studien weder lesen noch werten. Aus diesem Grund wird von der Bundesregierung ein Gremium von Fachleuten auf nationaler und internationaler Ebene bestimmt, das eine Wertung dieser Studien durchführt. Hierbei handelt es sich um unabhängige renommierte Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen, wie Physiker, Ärzte oder Epidemiologen. Die bei uns zuständigen Gremien wie die Strahlenschutzkommission und andere Institutionen kommen zu dem Ergebnis, dass bei Einhaltung der Grenzwerte eine Gefährdung der Gesundheit nicht besteht. Insbesondere gibt es keinen Grund, dass durch Mobilfunk Krebse entstehen könnten.
Umgang mit Handys das A und O
Es ist auch nicht so, wie oft von Gegnern behauptet wird, dass die Meinungen hierzu völlig konträr seien. Die in der Verantwortung stehenden Wissenschaftler sind überwiegend der Überzeugung, dass bei Einhaltung der Grenzwerte eine Gefährdung nicht besteht. Lediglich eine kleine Anzahl alternativer Wissenschaftler behauptet das Gegenteil.
Selbstverständlich muss der Mobilfunk weiterhin bezüglich seiner Auswirkungen streng beobachtet werden. Zum einen ist diese Technik relativ neu und zum anderen kommen immer mehr Mobilfunkmasten und Handys hinzu. Erinnert sei hierbei nur an die UMTS-Technik.
Wenn man trotz eingehaltener Grenzwerte aus Vorsorgegründen die Belastung so gering wie möglich halten möchte, ist der Umgang mit dem Handy das A und O. Das Handy sollte nur dann benutzt werden, wenn es notwendig ist und die Gespräche sollten möglichst kurz gehalten werden.
Aus umweltmedizinischer Sicht sind die von vielen Mobilfunkgegnern geäußerten Ängste, dass unsere Gesundheit durch den Mobilfunk bedroht sein könnte, nicht gerechtfertigt. Oft ist es im Leben so, dass nicht die Risiken, die uns ängstigen, die Risiken sind, die uns wirklich bedrohen.