Rostock (OZ)
Jetzt ist es bewiesen: Telefonieren mit dem Handy schädigt weder das Gehör, noch wirkt es sich auf den Gleichgewichtssinn aus. Jedenfalls nicht kurzfristig und direkt beim Telefonieren. Herausgefunden hat das Dr. Uwe Sievert, Physiker an der Rostocker Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO). Auftraggeber der Studie, deren Ergebnisse in Kürze veröffentlicht werden, war die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.
"Etwa 60 Ohren haben wir untersucht", sagt Sievert schmunzelnd mit Blick auf Klinikmitarbeiter und Patienten, die sich für die Versuchsreihe zur Verfügung stellten. Ein auf maximale Leistung eingestelltes Handy hatten sie 20 bis 30 Minuten am Ohr. Aufgezeichnet wurden die für das Hörsystem charakteristischen Hirnströme und mittels Videobrille die Augenbewegungen, die Aufschluss über das Gleichgewichtsorgan geben.
"Manchmal war es schon frustrierend, dass wir nichts gefunden haben", gibt der Physiker lachend zu. Auf der Suche war er vor allem nach Temperaturveränderungen im Innenohr. "Schon bei einem Unterschied von 0,1 Grad Celsius reagiert der Körper mit Schwindel", macht Sievert
Dr. Uwe Sievert, Physiker an der Rostocker Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde.
Foto: A. Neutzling
deutlich. "Das Gefühl, ein warmes Ohr beim Telefonieren zu bekommen, täuscht. Die Temperatur im Ohr ändert sich nicht", stellt der Physiker klar. Und ergänzt: "Aussagen über Langzeitwirkungen können wir aber nicht treffen."
Die Rostocker Ergebnisse stoßen auf internationales Interesse. Professor Hans Wilhelm Pau, Direktor der HNO-Klinik, stellte sie in den USA auf dem Jahreskongress der amerikanischen HNO-Akademie vor. Zwei Veröffentlichungen in amerikanischen Fachzeitschriften sind eingereicht und weitere in Arbeit. Und Nachfolgeprojekte, erneut mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin als Auftraggeber. "Es gibt immer neue Handymodelle und demnächst auch neue Sendefrequenzen", begründet Sievert, warum dies notwendig ist. "Mit der Studie haben wir uns einen Namen gemacht", sagt der 60-Jährige. Und hofft, mit weiteren Forschungen betraut zu werden.
Neben dem guten Ruf für die Klinik bringen solche Aufträge Geld. Auch, um moderne Diagnosegeräte zu beschaffen, die letztendlich den Patienten zugute kommen.
Ein Rat des Fachmanns: Man sollte sich vor dem Handykauf erkundigen, wie groß die abgegebene Strahlung ist. Keinesfalls überschritten werden dürfen zwei Watt pro Kilogramm Körpergewicht.
Anja Neutzling