Schnappauf in der "Höhle des Löwen"

Umweltminister traf sich mit Dr. Host Eger

VON MATHIAS H. WALTHER

In die Diskussion um die so genannte "Nailaer Studie" in Sachen Mobilfunk scheint Bewegung zu kommen - wenn auch langsam. Am vergangenen Freitag trafen sich Bayerns Umweltminister Dr. Werner Schnappauf und der Mitinitiator der Untersuchung, Dr. Horst Eger, zu einem kurzen Meinungsaustausch. Das Treffen fand bei Cappucino in einem Nailaer Café statt. Es war das erste überhaupt - und brachte kaum eine Annäherung.

NAILA - Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann muss der Berg eben zum Propheten. So war's denn auch am Freitag, als am Marktplatz der oberfränkischen Kleinstadt Naila der Dienstwagen des bayerischen Umweltministers hielt und Dr. Werner Schnappauf das Cafe aufsuchte. Schnappauf war als Teilnehmer am "Fest der Jugend des bayerischen Ministerpräsidenten" nach Naila gekommen und wollte die Gelegenheit nutzen, den Dialog beginnen. Wie gesagt, wenn der Prophet ...

Wenngleich sich der Minister nach dem Treffen politisch diplomatisch zu dem Gespräch äußerte, wurde deutlich, dass mit dem Nailaer Propheten in Sachen Mobilfunk-Exposition kaum eine Annäherung erreicht wurde. Dr. Werner Schnappauf: "Das Gespräch verlief athmosphärisch gut, es besteht jedoch noch Klärungsbedarf".

Einigkeit bestand wohl am ehesten darin, dass es sich bei der Untersuchung von Dr. Eger und Kollegen eher um eine "Pilot-Studie" handelt, die "von den Medien falsch verstanden und schlagzeilenträchtig vermarktet" wurde. Wobei freilich vermieden wird, darüber zu sprechen, wer denn die Medien mit Schlagzeilen wie "signifikante Erhöhung des Krebsrisikos" etc. auf den Plan gerufen hatte.

Was nun tatsächlich in der "Pilot-Studie" steht und wodurch die Aussagen der Nailaer Ärzte untermauert werden, bleibt nach wie vor ein Geheimnis. Auch Dr. Werner Schnappauf gelang es am Freitag nicht, Licht ins geheimnisvolle Studien-Dunkel zu bringen. Dr. Eger verweigert nach wie vor die Herausgabe von Zahlen, Daten und Fakten. Ein Verhalten, das übrigens auch von Bundesumweltminister Jürgen Trittin mit Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen wird. Dieser hat auf ein Schreiben Schnappaufs vom 6. September (die Neue Presse berichtete) per Fax reagiert. Dieses wurde dem Minister auf sein Dienstwagen-Fax gesendet, just als er auf dem Weg nach Naila war.

Auch Trittin bemängelt, dass die Untersuchung aus Naila bislang lediglich in Fragmenten, als Power-Point-Präsentation, vorliegt.

Ebenso wie das bayerische Umweltiministerium vermissen die Fachleute im Bundesministerium verschiedene Kriterien wie individuelle Espositionsbestimmungen oder die ausreichende Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen Daten ebenso fehlen wie die Vollständigkeit der zugrunde gelegten Bevölkerungsdaten und anderes.

Die bislang vorliegenden Ergebnisse bzw. Behauptungen lassen die wissenschaftliche Reproduzierbarkeit ebenso vermissen wie eine Vollständigkeit der ermittelten Krebsdaten. Trittin teilt weiterhin mit, dass man Dr. Horst Eger die Möglichkeit einer Stellungnahme gegeben habe, die dieser "bisher nicht wahrgenommen" habe.

Dr. Horst Eger dagegen will seine Untersuchungsergebnisse in Kürze in aller Ausführlichkeit preisgeben. So als wissenschaftliche Veröffentlichung in einem noch nicht benannten Medium, aber auch im Rahmen eines Symposiums, das unter Beteiligung internationaler Wissenschaftler am 20. November in Bamberg stattfinden soll. Bereits für den 18. Oktober ist ein Fachgespräch in Bayreuth geplant, an dem neben Dr. Horst Eger auch Vertreter der Landesämter für Umweltschutz und Gesundheit, der Hofer Landrat Bernd Hering und Nailas Bürgermeister Frank Stumpf teilnehmen sollen.

Ob Dr. Eger an diesem Tag Licht ins Dunkel bringen und ausführliche Daten zur Verfügung stellen wird, bleibt abzuwarten. Falls nicht, dann wäre dieser Termin auch nicht mehr als ein Muster ohne Wert.

Quelle: Neue Presse, Coburg vom 04.10.2004


Link zur Neuen Presse, Coburg
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