Krebsrisiko durch Mobilfunk?

Vortrag in Schnabelwaid: Am Ende Zweifel an der Gefahr durch Strahlung

SCHNABELWAID
Nicht lange ist es her, dass die Diskussion um den Mobilfunk- und Fernsehmast auf dem Turm der Burg Gößweinstein im Marktgemeinderat von Gößweinstein bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Ungeachtet der dann erfolgten Entwarnung vertritt der Münchner Arzt und Leiter des Instituts für Holistische Medizin, Dr. Hans-Christoph Scheiner, die Meinung, dass durch Mobilfunkstrahlen die Krebserkrankungen enorm ansteigen. Jetzt sprach er vor vollem Saal in Schnabelwaid.

Wie Scheiner in Schnabelwaid am Freitagabend erklärte, haben die Krebserkrankungen um den Gößweinsteiner Burgsender enorm zugenommen. Nach Angaben eines Gößweinsteiner Arztes wurden 75 Krebsfälle im Umgriff der Burg registriert, die offizielle Zahl liege bei 50 registrierten Krebsfällen.

Einen Zeitraum nannte Scheiner allerdings nicht. Dies wertete Scheiner jedoch, der ausgewiesener Mobilfunkgegner und auch Bundesvorsitzender der Partei „Aufbruch" ist, deren Parteiprogramm den Ausbaustopp der Mobilfunknetze fordert, als Beweis dafür, dass Mobilfunkstrahlen krank machen.

Der KURIER fragte den Mediziner, auf welche Quellen er sich bei seinen Aussagen bezieht, und konfrontierte Dr. Scheiner mit dem Ergebnis der Messungen des Regensburger IM-Instituts von Professor Wuschek. Der hatte im Auftrag des Marktes Gößweinstein die Strahlenbelastung in Gößweinstein untersucht und war zu dem Ergebnis gekommen, dass sie wegen des hoch gelegenen Standorts der Sendeanlage auf dem Burgturm weitaus niedriger ist als in Gemeinden vergleichbarer Größe und dass aus dem Krebsregister des Mainzer Instituts für Medizinische Statistik für Gößweinstein keine erhöhte Krebsrate zu entnehmen war.

Nach der Mainzer Krebsstatisik liegen die Krebserkrankungen in Gößweinstein im Landesdurchschnitt. Dies wurde auch bei einer Anfrage im Bayerischen Landtag bestätigt. Als Quelle seiner Informationen zu Gößweinstein nannte Dr. Scheiner das Internet. Eine genaue Quellenangabe der entsprechenden Internetseite konnte er aber aus dem Stehgreif nicht machen. Auch zweifelte Scheiner das Gutachten von Professor Wuschek stark an, da dieser vor seinen Messungen die jeweiligen Mobilfunkbetreiber informiert, die dann die Leistung ihrer Sendeanlagen herunterfahren können. Und zur Mainzer Krebsstatistik meinte Dr. Scheiner, dass auch Statistiken manipulierbar sind. Dieses Beispiel lässt nun aber Scheiners gesamten Vortrag in einem anderen Licht erscheinen.

Kurz angesprochen hatte er auch das Beispiel Speichersdorf, wo vier Leukamiefälle bei Kindern bekannt wurden. Weder die zahlreich erschienenen Schnabelwaider Bürger noch die Gemeinderäte konnten nachvollziehen, ob Scheiners weitere Behauptungen der Wahrheit entsprechen oder nicht.

Nun sollen Mobilfunkbefürworter und Vertreter der Strahlenschutzbehörde angehört werden, beschloss der Rat nach Scheiners zweifelhaftem Vortrag. tw

Quelle: Nordbayerischer Kurier Bayreuth, 02.02.2004


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