Bis Ende 2007 will die Telekom alle ihre Mobilfunk-Sendeanlagen mit dem neuen GPRS-EDGE-System ausstatten, was viele Gemeinden freut. Ermöglicht es doch auch in ländlichen Regionen einen einigermaßen schnellen Internet-Zugang. Doch in Oberammergau klagen zahlreiche Bürger über massive gesundheitliche Beschwerden, seitdem dort das neue System installiert wurde. Sie einfach alle als Spinner abzukanzeln, wie es die Mobilfunkunternehmen gerne tun, ist nicht in Ordnung. Und doch bleiben Zweifel.
Eine Bedrohung, die man nicht sehen kann, ist immer suspekt, und bei unsichtbaren Strahlen trifft das besonders zu. Alle Verantwortlichen verschanzen sich gerne hinter Grenzwerten, die die Mobilfunk-Gegner regelmäßig als viel zu hoch bemängeln. Auch die unzähligen Studien werden nicht anerkannt je nachdem, welches Ergebnis herauskommt. Und weil das Thema mit seinen Hochfrequenzstrahlen, Hertz- und Watt-Angaben so kompliziert ist, kann der Normal-Sterbliche kaum mitdiskutieren.
Deshalb übernehmen das Experten, und davon gibt es in Oberammergau einige, darunter seit kurzem eine Bamberger Ärztin. Offenbar sind viele Bürger froh, eine mögliche Erklärung ihrer Probleme gefunden zu haben, und finden nun einen dankbaren Abnehmer. Doch handeln die Betroffenen wirklich redlich, wenn in Briefen an das Umweltministerium von einem unerwartet verstorbenen 50-Jährigen, einem Schlaganfall bei einem Kind sowie eingegangenen Pflanzen gesprochen und unterstellt wird, das alles sei durch Mobilfunk-Strahlung passiert?
Das ist Panikmache.
Boris Forstner
Quelle: Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim vom 21.11.2007