Zweifel an "Naila-Studie"

Mobilfunkbetreiber: Keine Daten zur Überprüfung

BAMBERG. Der Wirbel um die sog. "Naila-Studie", in der eine Reihe von Ärzten auf ein erhöhtes Krebsrisiko in der Umgebung von Mobilfunkstationen hinweist, hält weiter an. Jetzt melden sich die Mobilfunkbetreiber zu Wort und zweifeln die Ergebnisse der Studie an.

Kritiker der Studie verweisen darauf, dass sich der Nailaer Mediziner Horst Eger und der Bürgermeister der Stadt, Frank Stumpf, auf eine Stellungnahme mit dem Briefkopf der Universität Bremen beziehen, in der Professor Rainer Frentzel-Beyme der Arbeit ein "erstaunlich hohes wissenschaftliches Niveau der verwendeten Methoden" bescheinigt. Demzufolge halte die Auswahl der Daten "einer kritischen Bewertung" stand.

Ende August ließ jetzt die Universität Bremen verlauten, "die so genannte Nailaer Ärztestudie hat nicht die wissenschaftlichen Weihen der Universität Bremen."

Vielmehr habe der Professor aus eigener Initiative gehandelt.

Weiterer wesentlicher Kritikpunkt: Seit der öffentlichen Veranstaltung in Naila fordern Ministerien, Behörden und Ämter die Daten der Studie an, um sie überprüfen zu können.

In einem internen Schreiben des Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz wurde darauf hingewiesen; dass man trotz mehrfacher Nachfrage bislang nur eine fünfseitige Kurzfassung der Untersuchung in Händen halte.

Dennoch, eine wissenschaftliche Bewertung der Studie ist inzwischen von Seiten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), des Bayerischen Umweltministeriums und auch des eher mobilfunkkritischen ECOLOG-Instituts vorgenommen worden, allerdings nur aufgrund der vorliegenden eher dürftigen Daten.

Bei ECOLOG sind es eine Reihe methodischer Fragen, die noch geklärt werden müssten ehe man den Ärzten bescheinigen könne, dass ihre Untersuchung ein praktikables, auch andernorts zu wiederholendes, Konzept darstellt. Das Landesamt für Umweltschutz geht noch einen Schritt weiter. Es kommt zu dem vorläufigen Zwischenergebnis, dass die Aussagekraft der Studie eher gering sei.

Sowohl Bundesumweltminister Jürgen Trittin als auch sein bayerischer Kollege Werner Schnappauf monieren unterdessen, dass die von dem federführenden Nailaer Arzt Horst Eger erbetenen Stellungnahmen nicht abgegeben worden seien.

Was Schnappauf dazu veranlasste einen offenen und ehrlichen Dialog einzufordern ohne die Bevölkerung zu verunsichern. Ausschlaggebend für des Ministers Meinung war wohl die Aussage des Bundesamts, das auf einen ganzen Katalog von Unzulänglichkeiten verweist und neben den methodischen Fehlern zu dem Schluss kommt, dass die reine Wiederholung des Untersuchungsansatzes keinerlei Erkenntnisgewinn bringe. Es wäre wohl im Interesse aller, die sich mit dem Problem der Mobilfunkstrahlung beschäftigen, könnte die Nailaer Ärztegruppe eine belastbare Untersuchung vorlegen.

Quelle: Fränkischer Tag, Bamberg vom 13.10.04


Link zum Fränkischen Tag
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