Misleader of the Year 2004: Prof. Olle Johansson

Die Vereinigung der Schwedischen Skeptiker (Vetenskap och Folkbildning, VoF) ist eine gemeinnützige Organisation mit etwa 1600 Mitgliedern (Stand 2004). Die VoF sieht ihre Aufgabe darin, Öffentlichkeit und Medien über das Wesen der Wissenschaft zu informieren, indem sie sich damit auseinandersetzt, wissenschaftlich bedeutsame Fragestellungen von denen abzugrenzen, die es nicht sind. Im besonderen setzt sich die VoF kritisch mit dem wissenschaftlichen Status umstrittener Phänomene und Theorien, wie Astrologie, Parawissenschaften, Homöophatie, UFO´s usw. auseinander.

Jedes Jahr ernennt die VoF den "Oberlehrer des Jahres" sowie den weniger schmeichelhaften "Irreführer des Jahres". Die folgende englische Version einer Pressemitteilung (hier ins Deutsche übertragen) erläutert die Ernennung des außerordentlichen Professors Olle Johansson als "Irreführer des Jahres 2004".


Als Konsequenz jahrelanger öffentlicher Behauptungen und todsicherer, plumper Warnungen vor zahlreichen negativen gesundheitlichen Auswirkungen die angeblich durch elektromagnetische Felder verursacht werden, wurde dem außerordentlichen Professor Olle Johansson der Titel "Irreführer des Jahres 2004" verliehen.

Olle Johansson empfängt die Auszeichnung als einer der prominentesten Vertreter einer viel zu zahlreichen Sorte von Wissenschaftlern, die Unsicherheit in der Öffentlichkeit verbreiten, indem sie über die Massenmedien unbegründete Hypothesen als erwiesene Tatsachen darstellen, um damit Aufmerksamkeit auf ihre Person zu ziehen und um Geldmittel für ihre Aktivitäten zu mobilisieren. Der VoF zufolge ist die eigene Forschungstätigkeit Johanssons auf dem Gebiet der elektromagnetischen Felder von geringer Qualität.

Was mit geringer Qualität in diesem Zusammenhang gemeint ist, bedarf einer Erklärung. In umstrittenen Belangen der Risikobetrachtung werden häufig neun Kriterien (A. B. Hill, Proc R Soc Med 58, pp. 295-300, 1965) als Grundlage benutzt, um z.B. eine Behauptung zu bewerten, ob von einem bestimmten Umweltfaktor wirklich eine Krankheit hervorgerufen wird. Die Aktivitäten Olle Johanssons, soweit sie sich mit elektromagnetischen Feldern, Mobiltelefonen und Funkwellen auseinandersetzen, erfüllen diese Kriterien nicht. Diese Schlussfolgerung wird auch vom Schwedischen Forschungsrat geteilt, der in seinem Bericht "Research on health effects due to electromagnetic fields" (1. November 2004, in Schwedisch) hervorhebt, dass die Forschung Olle Johansson´s sowohl bezüglich der Theorie als auch der Methodik auf wackeligen Beinen steht. Zusätzlich haben die mit Strahlenschutz befassten Behörden der nordischen Länder in übereinstimmenden Kommuniques dargelegt, dass ein wissenschaftlicher Beweis für Gefährdungen durch Mobiltelefone fehlt.

Olle Johansson bedient sich einer vagen, irreführenden und suggestiven Ausdrucksweise. Dies umfasst auch eine unklare Verwendung von Begriffen - eine seiner eher verwirrenden Art von Phrasen ist die, welche den "Beweis der Gefahrlosigkeit" fordert. Ein derartiger Nachweis ist nie möglich.

Die VoF hat festgestellt, dass sich Olle Johansson oftmals zu Sachverhalten äußert, die jenseits seines fachlichen Horizontes liegen. Elektromagnetische Felder gehören eindeutig nicht zu seinem Kompetenzbereich. Wenn Johansson beispielsweise über Mikrowellen spricht, weist er darauf hin, diese wären vergleichbar mit Röntgen- und Gammastrahlung, trotz der Tatsache, dass diese unterschiedlichen Arten elektromagnetischer Wellen mit völlig unterschiedlichen physikalischen Erscheinungen zusammenhängen. Die wichtigen Kenngrößen in Bezug auf elektromagnetische Felder sind Frequenz und Intensität. Soweit diese innerhalb vorgegebener Größen liegen, sind Überlegungen über Gefahren gegenstandslos.

Darüber hinaus offenbaren Olle Johansson´s Diskussionen über DNA-Strangbrüche einen erheblichen Mangel an Grundlagenkenntnissen. Beispielsweise unterschätzte Johansson kürzlich (Stockholms Fria Tidning, 24. Dezember 2004, in Schwedisch) das natürliche Auftreten solcher DNA-Brüche um den Faktor 100 000. Wenn jemand den Anspruch erhebt, ernst genommen zu werden, dann muss die Genauigkeit wenigstens in Bezug auf die Größenordnung stimmen.

Letztendlich ist bekannt geworden, dass Olle Johansson unterstellt, eine Vielzahl von Krankheiten, wie Krebs, Probleme mit dem Blutdruck, Asthma, Allergien und Schlafbeschwerden könne möglicherweise durch elektromagnetische Felder hervorgerufen werden. Er ist auch zu der Schlussfolgerung gekommen, dass bösartige Melanome durch die Ausstrahlungen von Fernseh- und Rundfunksendern verursacht werden. Vor einigen Jahren wurde Johansson eine besondere Aufmerksamkeit zuteil, nachdem er behauptete, Gehirnschäden und insbesondere BSE könnten durch die Benutzung mobiler Telefone verursacht werden (Aftonbladet, 12. März 2001).

Mit der Verleihung der Auszeichnung "Irreführer des Jahres" ist keine Geldprämie verbunden.

Quelle: Pressemitteilung der Vereinigung der Schwedischen Skeptiker, VoF


Link zum Originaldokument der VoF
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