Beeinflussung der spontanen Leukämierate bei AKR/J-Mäusen durch nieder- und hochfrequente elektromagnetische Felder
Beeinflussung der spontanen Leukämierate bei AKR-Mäusen durch niederfrequente Magnetfelder (Teilprojekt 1) und Wirkung chronischer Exposition mit einem athermisch wirkenden GSM-Mobilfunksignal auf die Entwicklung spontaner lymphatischer Leukämie bei frei beweglichen weiblichen Mäusen des AKR/J-Stamms (Teilprojekt 2)
Auftragnehmer: International University Bremen Verantwortlicher Wissenschaftler: Prof. Dr. Alexander Lerchl, School of Engineering and Science, Campus Ring 6, 28759 Bremen
Zusammenfassung des Abschlußberichts:
In der Bevölkerung existieren nach wie vor Ängste bezüglich der möglichen gesundheitsschädigenden Einflüsse durch niederfrequente magnetische (MF) bzw. hochfrequente elektromagnetische (EMF) Felder, da epidemiologische Studien erhöhte Risiken aufzeigen, insbesondere für bestimmte Himtumore und Leukämie bei Kindern. Es fehlen zur möglichen kausalen Verknüpfung von MF / EMF und negativen Auswirkungen auf die Gesundheit sowohl Kenntnisse über biophysikalische Wirkmechanismen als auch sorgfältig durchgeführte tierexperimentelle Studien an einem geeigneten Tiermodell mit ausreichender statistischer Aussagekraft. Das Projekt hatte daher zum Ziel, eine Serie von Untersuchungen an AKR-Mäusen durchzuführen, die ein anerkanntes Modell für Leukämieerkrankungen sind. Sie erkranken im Laufe ihres Lebens mit hoher Wahrscheinlichkeit, so dass der Zeitverlauf des Auftretens der Erkrankung, das Registrieren des Körpergewichts, die Analyse des Blutbildes, die Überlebensdauer sowie pathologische und histologische Untersuchungen die Endpunkte der durchgeführten Untersuchungen waren.
Folgende Experimente wurden durchgeführt:
A) Exposition für 24 Stunden pro Tag zu 1 µT 50 Hz MF (Gruppe 1, n = 160), 100 µT 50 Hz MF (Gruppe 2, n = 160), scheinexponiert (Gruppe 3, n = 160);
B) Exposition für 24 Stunden pro Tag zu 1000 µT 50 Hz MF (Gruppe 1, n = 160), für 12 Stunden pro Tag (nachts) zu 1000 µT 50 Hz MF (Gruppe 2, n = 160), scheinexponiert (Gruppe 3, n = 160);
C) Exposition für 24 Stunden pro Tag zu EMF 900 MHz, GSM-moduliert, 0,4 W/kg SAR (Gruppe 1, n = 160), scheinexponiert (Gruppe 2, n = 160).
Für die Experimente A und B wurden Merritt-Spulensysteme gebaut, die eine sehr geringe Variabilität der magnetischen Flussdichte aufwiesen. Für das Experiment C wurden spezielle Expositionskammem (Wellenleiter) konstruiert und hergestellt, die eine SAR-Verteilung mit geringer Varianz sicherstellten. Die Experimente wurden verblindet durchgeführt. Es wurden in drei Experimenten insgesamt also 5 Gruppen á 160 Mäuse exponiert und 3 Gruppen á 160 Mäuse scheinexponiert.
Das einzige statistisch signifikante Ergebnis bestand in einer leichten Zunahme des relativen Körpergewichts der EMF-exponierten Tiere, wenn alle Anfangsgewichte zu 100 % transformiert wurden. Die absoluten Körpergewichte waren in allen Fällen statistisch nicht unterschiedlich, ebenso waren alle anderen Befunde negativ. Die Experimente zeigen einerseits die Eignung des gewählten Tiermodells für die Untersuchungen, da trotz individueller Unterschiede die insgesamt 8 Gruppen fast deckungsgleiche zeitliche Verläufe ihrer Erkrankungen zeigten und Auswirkungen der Exposition zu MF / EMF mit statistisch hoher Verlässlichkeit hätten nachgewiesen werden können. Andererseits zeigen die Befunde keine negativen Auswirkungen auch bei hohen Flussdichten / SAR-Werten, so dass sich mit der generellen Einschränkung der Übertragbarkeit von Experimenten aus Tierversuchen auf die Situation beim Menschen keine Veranlassung ergibt, die bestehenden Grenzwerte für die Ganzkörperexposition zu senken.