Ministerialrat des Umweltministeriums wirft Ärzten grobe Fehler vor
Nicht erst seit der "Naila-Studie", bei der Ärzte einen Zusammenhang von Mobilfunkstrahlung und Krebs festgestellt haben wollen, ist das Thema Handystrahlung in der Region umstritten. Um sich mehr Klarheit zu verschaffen, trafen sich gestern im Landratsamt die Bürgermeister des Landkreises, um Fachleute anzuhören. Dabei zeichnete sich schnell ab, dass ein bestimmtes Thema in den Mittelpunkt rückt - eben die "Naila-Studie".
HOF - Der Dialog war so kurz wie viel sagend: "Wir wollen endlich Klarheit" - "Wir auch!" Die Gesprächspartner: Nailas Bürgermeister Frank Stumpf und Michael Keller von T-Mobile. Gegenstand: die "Naila-Studie". Stumpf wollte wissen, was denn jetzt dran sei, an den Erkenntnissen der Ärztegruppe. Keller musste passen, und genau das kritisierte er: "Es ist problematisch, nicht überprüfte Daten in der Öffentlichkeit zu verbreiten, sie aber zuständigen Stellen nicht zur Verfügung zu stellen. Bis heute gibt es keine Veröffentlichung der Studie."
Auch Peter Weigl, Ministerialrat des Bayerischen Umweltministeriums, vermisste die Transparenz der Studie. "Dass die Nailaer Ärzte nicht mit uns oder dem Bundesamt für Strahlenschutz vorher gesprochen haben, gibt der ganzen Sache einen bitteren Beigeschmack. Die Studie muss jetzt endlich auf den Tisch."
Ein klarer Fehler sei, so Weigl, auch darin begangen worden, das Auftreten von Krebsfällen mit der Entfernung von Sendemasten in Verbindung zu setzen, zumindest in dieser allgemeinen Form: "Der Abstand kann kein Maß sein. Da spielen die verschiedenen Lagen - vom Masten abgewandt oder ihm zugewandt oder auch das jeweilige Stockwerk - eine entscheidendere Rolle." Die Naila-Studie sei, sagte Peter Weigl, zwar engagiert, aber ihre Aussagekraft sei "auch mit großen Fragezeichen versehen".
In Sachen Studien zur Gefahr von Mobilfünk äußerte sich der Ministerialrat auch allgemeiner. Demnach existiere derzeit kein wissenschaftlicher Beweis für eine Gefahr durch die Sendeanlagen. Und zum Fall Naila: "Wäre an dem Ergebnis der Studie etwas dran, hätte man das auf größerem Gebiet auch längst feststellen müssen." In diesem Zusammenhang sprach der Elektrosmog-Experte auch von einem durch die Medien verursachten "Wahrnehmungsproblem": "Studien die kritische Fragen aufwerfen, werden veröffentlicht; bringen Untersuchungen keine alarmierenden Ergebnisse hervor, was übrigens meistens der Fall ist, findet das praktisch keine Erwähnung."
"Dennoch haben die Menschen Angst. Zu mir kommen Leute, die neben einem Sendemasten wohnen und an Schlaflosigkeit leiden. Was soll ich denn denen jetzt sagen?", fragte der Helmbrechtser Bürgermeister Manfred Mutterer. Und schon war Weigl wieder beim Beispiel Naila: "Das ist das Problem, wenn man mit nicht bestätigten Untersuchungen an die Öffentlichkeit tritt. Jetzt noch zu unterscheiden, ob die Menschen wegen der Strahlung nicht mehr schlafen können oder wegen der Angst vor der Strahlung, ist kaum mehr möglich." Doch diese Angst nehme man in München sehr wohl ernst - "Es gibt Menschen, die schlafen jetzt im Keller. So was macht mich nervös."
Nervös seien aber auch die Nailaer, machte Bürgermeister Frank Stumpf nochmals klar. Von Michael Keller wollte er daher auch wissen, ob denn T-Mobile Rückstellungen für eventuelle Klagen wegen Gesundheitsschäden habe. "T-Mobile ist versichert", antwortete Keller. Nur gelte in diesem Fall, dass in entsprechenden Fällen auch Beweise vorliegen müssten, keine Vermutungen.
Schwarzenbachs Rathauschef Alexander Eberl wollte im Zusammenhang mit einer Diskussion um gesetzliche Grenzwerte den Unterschied zwischen der Gefahr von Sendemasten und der von Handys selbst erfahren. Ministerialrat Weigl hatte eine klare Antwort: "Die Strahlungsintensität ist bei einem Handy deutlich höher als bei einem Masten. Wer also vor der Strahlung Angst hat, sollte einfach nicht mehr telefonieren." hawe