Schadet Mobilfunk der Gesundheit? Nachgefragt

Das Thema Mobilfunk schlägt in Icking derzeit hohe Wellen. Eine Ärztin sieht die Gesundheit der Anwohner durch elektromagnetische Strahlung bedroht. Vorwürfe gegen das Gesundheitsamt werden lauter.
Die SZ sprach darüber mit Behördenleiter Franz Hartmann.


SZ: Die Ärztin Cornelia Waldmann-Selsam hat zum Thema Mobilfunk in Icking eine Studie veröffentlicht.

Hartmann: Das ist doch keine Studie, sondern lediglich eine subjektive Fallerhebung. Mit einer Studie hat das nichts zu tun.

SZ: Was vermissen Sie ?

Hartmann: Zunächst müssten die Initiatoren den Kontakt zu Universitäten suchen. So etwas muss wissenschaftlichen Ansprüchen genügen; am Ende sind die Ergebnisse in Fachmagazinen zu veröffentlichen, um einen Diskurs zu ermöglichen. Auch mangelt es an einer Kontrollgruppe. Ich kann mir ein Studiendesign nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Die Herangehensweise finde ich da ziemlich naiv und abenteuerlich.

SZ: Trotzdem wird dem Gesundheitsamt in Sachen Mobilfunk Untätigkeit vorgeworfen.

Hartmann: Das kann ich nur zurückweisen. In Icking wurde die Strahlenbelastung doch schon gemessen. Mit dem Ergebnis, dass der zulässige Grenzwert nur zu einem geringen Prozentsatz ausgeschöpft wird. Es besteht aus meiner Sicht keinerlei Handlungsbedarf.

SZ: Die Initiatoren fordern Sie dazu auf sich persönlich ein Bild von der Situation in der Gemeinde zu machen. Was spricht gegen einen Besuch in Icking?

Hartmann: Es ist nicht unsere Aufgabe und auch nicht sinnvoll, hunderte Bürger ohne konkreten Anlass aufzusuchen und deren Beschwerden aufzunehmen. Wir sind aber gerne dazu bereit, besorgten Anwohnern zu sagen, dass kein vernünftiger Zusammenhang zwischen der elektromagnetischen Strahlung und ihren Beschwerden besteht.

SZ: Welche anderen Ursachen wären für die Häufung von Krankheitsfällen rund um die Sendeanlagen denkbar?

Hartmann: Ich kann diese Häufung nicht bestätigen. Wenn ich mit Leuten über deren Gesundheit rede, werden immer irgendwelche Beschwerden vorgetragen. Diese aber am Mobilfunk festzumachen, ist aberwitzig. Die Kollegin sollte sich einmal Gedanken machen, was sie mit ihrem pseudowissenschaftlichen Vorgehen alles anrichtet.

Interview: Elmar Jung

Quelle: Süddeutsche Zeitung Wolfratshausen vom 05. Mai 2006


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