Haarausfall durch Handy?


(nach Der Spiegel, 38/1999)

Umweltkrankheiten sind Erscheinungen des 20. Jahrhunderts. Zu ihnen zählen neben dem Multiplen Chemikaliensyndrom (MCS), dem Sick-Building-Syndrom (SBS) oder dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) auch Schäden verursacht durch Elektrosmog. Der wissenschaftliche Krankheitsnachweis fällt dabei oft schwer. In den meisten Fällen stützen sich die Beschwerden auf Wirkungen, verursacht durch Chemikalien oder andere Noxen in so geringer Konzentration, die nach bisheriger Erkenntnis keine Effekte hervorrufen können.

Nach Aussagen des Gießener Umweltmediziners Thomas Eikmann sind die Zusammenhänge zwischen den Beschwerden der Patienten und äußeren Einflüssen nur sehr vage. Die Krankheitssymptome sind derartig vielfältig, so daß die Diagnose beinahe auf jede dieser Umweltkrankheiten passen würde. Eine wachsende Zahl Erkrankter (1,5 - 15 % der Bevölkerung), führt ihr Leiden auf eine dieser Umweltsyndrome zurück. Handelt es sich um eine Art Ökochondrie, der eine psychische Ursache wie Zukunftsängste zugrunde liegt?

Eine Untersuchung der Universität Erlangen-Nürnberg bestätigt diese Vermutung. Mehr als zwei Drittel aller Patienten, die eine umweltmedizinische Sprechstunde aufsuchen, sind psychiatrisch auffällig. Eine Erklärung dafür sieht Thomas Eikmann darin, daß Umweltschadstoffe weniger sichtbar geworden sind und dies den Leuten Angst macht. Katastrophen wie Tschernobyl und der gelbe Regen, durch den die Firma Hoechst 1993 Schlagzeilen schrieb, gaben Anlaß zu wachsendem Mißtrauen unter der Bevölkerung. Patienten, die ihre Beschwerden auf eine Umweltkrankheit zurückführen, sind selten von ihrer Meinung abzubringen, da ihre Vermutungen durch eine der zahlreichen Selbsthilfegruppen, die bereits existieren, schon bestätigt wurden.

Die Psychologin Lydia Hartl ist der Meinung, daß diese Menschen die Fähigkeit verloren haben, zwischen den bedeutsamen und unbedeutenden Wahrnehmungen zu unterscheiden. So gäbe es nach Aussagen von Thomas Zunder von der Umweltambulanz der Universitätsklinik Freiburg auch Patienten, die das neue Handy des Nachbarn für ihren Haarausfall verantwortlich machen.


mehr dazu in Spiegel Online

Seitenanfang
vorherige Seite