Weltweite Unterschiede bei den EMF-Grenzwerten

Übersetzung mit freundlicher Genehmigung durch
"Resource Strategies, Inc., Madison, Wisconsin, USA"

08/18/03 - Madison, Wis. - In einem Gastkommentar, der demnächst im "Iranischen Journal für Elektro- und Computertechnik" erscheinen wird, diskutiert Kenneth Foster von der Universität von Pennsylvania, Philadelphia einige Gründe für die sehr großen Unterschiede bei den weltweiten Grenzwerten zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung im radiofrequenten Bereich.

Während es nach Aussage Fosters gewichtige Gründe gibt, auf eine Harmonisierung der Strahlenschutzgrenzwerte hinzuarbeiten, wiederspiegelt die Tatsache ungleicher Grenzwerte tiefgreifende Unterschiede in der jeweiligen Philosophie des Risikomanagements mit der Konsequenz, dass dieses Ziel nicht einfach zu erreichen sein wird. Seine Kommentare begleiten einen Artikel von I.H. Cavdar und N.E. Ozguner in der gleichen Ausgabe dieses Journals welcher sich mit der Exposition durch 900-MHz Mobiltelefone und den Wahrscheinlichkeiten eines Risikos durch Auswirkungen der Mobilkommunikation auf die menschliche Gesundheit befasst. Cavdar und Ozguner erwähnen den weiten Bereich der Expositionslimits weltweit und die Tatsache, dass Mobilfunk-Basisstationen mancherorts vorsorgebasierte Grenzwerte überschreiten können.

Beispielhaft erklärt Foster: "Im Frequenzbereich 1800 MHz, der von vielen Mobiltelefonen genutzt wird, entspricht die maximal zulässige Exposition der allgemeinen Bevölkerung einer Leistungsflußdichte von 9 W/m² (Feldstärke 58 V/m), gemäß den in den meisten Teilen der Welt angewandten ICNIRP-Empfehlungen. Grenzwerte in Russland, China und einigen osteuropäischen Ländern sind mit 0,1 W/m² viel niedriger. Kürzlich haben die Schweiz und Italien sogar noch niedrigere Grenzwerte (0,09 W/m² oder 6 V/m) eingeführt."

Ein Grund für so eine Vielfalt ist, dass "Risikoforschung keinesfalls als exakte Wissenschaft bezeichnet werden kann", worauf Foster hinweist, ebenso aber spiegeln sich wahrscheinlich Gefühle, wie die Strahlenangst der Bevölkerung in den Normen wieder. Er macht darauf aufmerksam, dass Cavdar und Ozguner auf einer Linie mit vielen Laien liegen, "die im allgemeinen nicht in der Lage sind zwischen Expositionsgrenzwerten und Risiken zu unterscheiden", wobei letztere als die Wahrscheinlichkeit für den Eintritt einer nachteiligen Wirkung definiert sind. Wie Foster hinzufügte, ist die Beziehung zwischen Exposition und Risiko "am ausgeprägtesten" bei den westlichen wissenschaftlich begründeten Grenzwerten, wie sie durch ICNIRP und IEEE verkündet werden. Diese sind angelegt um eine thermische Wirkung (Verhaltensveränderung) zu vermeiden, "eine spezifische und gut dokumentierte Wirkung bei Tieren" - und bieten unter Einbeziehung von Sicherheitsfaktoren einen mehr als angemessenen Schutz gegen thermische Risiken.

Foster, der die weltweite Situation der EMVU-Schutzbestimmungen wahrscheinlich besser kennt als irgend ein anderer gegenwärtiger Beobachter äußert, dass die russischen Strahlenschutzgrenzwerte als Schutz gegen vorgebliche, von westlichen Gesundheitsagenturen nicht anerkannte Gefahren elektromagnetischer Felder geschaffen wurden. Weiterhin wurden Vorsorgegrenzwerte, wie sie durch die Schweiz und andere Länder eingeführt wurden "nicht begründet, um überhaupt irgend eine festgestellte Gefahr zu vermeiden." Letzteres ist auf die Anwendung eines vorsorgeorientierten Ansatzes zurückzuführen, welcher Schutz vor hypothetischen, durch wissenschaftliche Erkenntnisse nicht belegte Risiken bieten soll. Als Reaktion auf die öffentliche Besorgnis bezüglich der Sicherheit von Funk-Basisstationen wurden Vorsorgegrenzwerte nicht etwa geschaffen, eine bekannte Gefahr zu vermeiden, sondern sie sind gedacht (wie dies in der Festlegung der Schweizer Grenzwerte dargelegt ist) "um bis jetzt nicht bekannte Risiken" elektromagnetischer Felder zu minimieren. Die Schweizer Grenzwerte sind die niedrigsten, technisch und wirtschaftlich machbaren.

Im Vergleich dazu haben IEEE und ICNIRP eine wissenschaftlich orientierte Festlegung von EMVU-Grenzwerten favorisiert. Sowohl IEEE C95.1-1999 (in Überarbeitung) als auch die Empfehlungen der ICNIRP von 1998 wurden durch Expertenkommitees nach einer kritischen Durchsicht von hunderten, ja tausenden von wissenschaftlichen Abhandlungen entwickelt, die in Bezug auf bestätigte, für eine Grenzwertfestlegung relevante Effekte bewertet wurden, wie Foster darlegt. Beide Gruppen berücksichtigten ausschließlich Arbeiten aus Journalen, die sich der wissenschaftlichen Diskussion stellen, und sie legten "großen Wert auf eine geeignete Dosimetrie sowie weitere Aspekte in der Gestaltung der Studien."

Um es nochmals offen zu sagen, wie Foster schreibt, "das den russischen Grenzwerten zugrundeliegende Prinzip ist weit weniger klar und es ist auch in der Norm selbst nicht beschrieben. Die Empfehlungen beruhen offensichtlich auf der Überzeugung, dass eine Langzeit-Exposition mit Pegeln weit unterhalb der ICNIRP-Empfehlungen Gesundheitsprobleme verursacht. In der Tat wird in der russischen wissenschaftlichen Literatur von Problemen berichtet, wie eine ‚Mikrowellenkrankheit' von Arbeitern in Fabriken, die unbekannten (aber vermutlich sehr geringen) elektromagnetischen Feldstärken ausgesetzt waren - einer Krankheit, die in der westlichen Medizin unbekannt ist."
Weiterhin geben die russischen Studien üblicherweise eine oberflächliche (oder keinerlei) Auskunft über die Expositionsbedingungen und lassen häufig grundlegende Informationen, wie die Frequenz des Feldes, vermissen. Diese Literatur hatte nur einen sehr geringen Einfluss auf die westlichen Standardisierungskommitees, teilweise wegen dieser Beschränkungen, fügt er hinzu.

Foster, der am EMF-Projekt im Jahre 2000 mitwirkte, erinnert daran, dass das EMF-Projekt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 1998 bestrebt ist, die EMVU-Grenzwerte weltweit zu vereinheitlichen um den Handel zu erleichtern sowie aus philosophischen Gründen.

Foster beendet seinen Kommentar mit folgendem Statement: "Ich glaube, dass eine Festlegung von Expositionsrichtlinien auf wissenschaftlichen Beweisen für eine Gefährdung beruhen sollte. Falls es eine nachgewiesene Gefährdung gibt, der die IEEE oder ICNIRP-Grenzwerte nicht angemessen Rechnung tragen, sollten sich Wissenschaftler aus den verschiedenen Ländern zusammensetzen und die Angelegenheit diskutieren und sie sollten mehr Zeit dafür aufwenden als sie dies bisher getan haben, um zu versuchen, die wissenschaftlichen Positionen der anderen zu verstehen."
Falls die öffentliche Furcht vor Strahlung Entscheidungsträger drängt, fügt er hinzu, "gäbe es wesentlich effektivere Ansätze als eine willkürliche Absenkung von Grenzwerten" - zum Beispiel wirkungsvolle Risikokommunikation, und Ermutigung der Industrie auf bewährte Mittel zurückzugreifen, Risiken zu vermeiden und Streit zu minimieren. "Die Grenzwertempfehlungen wie auch die Bestimmungen zur elektrischen Sicherheit sind vollumfänglich geeignet, festgestellten Gefahren der Technik zu begegnen," folgert er.

Quellennachweise:
Foster KR. Disharmony in Radiofrequency Exposure Limits. Iranian Journal of Electrical and Computer Engineering 2003 Summer-Fall; 2(2):xx.
Cavdar IH, Ozguner NE, "Electromagnetic field measurements at 900 MHz to obtain the effects of mobile communication on risk probabilities for the human health, " Iranian Journal of Electrical and Computer Engineering 2003 Summer-Fall; 2(2):xx.

REPORTED BY: JLathrop, RF Gateway, (608) 251-8767.
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