Definition, Epidemiologie und Behandlung von Elektrosensibilität

Bericht der Stahlenschutzabteilung der (englischen) Agentur für Gesundheitsschutz

Zusammenfassung der Ergebnisse
Übersetzung aus dem Englischen: Klaus Grieninger

Dieser Überblick betrachtet elektrische Sensibilität (ES) in Bezug auf die subjektive Zuordnung von Symptomen zu elektrischen und magnetischen Feldern sowie Strahlungen unterhalb der Feldstärken, die erwiesenermaßen nachteilige Wirkungen auf die Gesundheit haben. Die Verwendung des Ausdrucks ES in dieser Abhandlung unterstellt jedoch nicht die Anerkennung eines kausalen Zusammenhangs zwischen Symptomen und einer zugeordneten Feldeinwirkung.

Ausgangspunkt für diese Bewertung ist die Erkenntnis der Strahlenschutzabteilung der Agentur für Gesundheitsschutz (HPA RPD), dass die Notwendigkeit besteht, ES nicht nur im Hinblick auf kausale Krankheitsursachen zu betrachten. Dieser Standpunkt alleine ist nämlich nicht geeignet, den Bedürfnissen derer Rechnung zu tragen, die sich selbst als von ES betroffen sehen.

Die Literaturstudie wurde beauftragt um Fachliteratur zu identifizieren und zu beurteilen, mit dem Ziel ES zu beschreiben und zu definieren, die Information in Bezug auf Ablauf, Prognose und Behandlung zu bewerten und um Parallelitäten mit anderen Gegebenheiten wie etwa multiple Chemikalien Empfindlichkeit zu untersuchen. Ausdrücklich ausgeschlossen von dieser Bewertung wurden gesundheitliche Wirkungen im Sinne von spezifischen Krankheitsprozessen und die Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Diskussion um Krankheitsursachen im Zusammenhang mit ES.

Die Symptome der Elektrosensitivität lassen sich im Wesentlichen wie folgt gliedern: In Symptome der Gesichtshaut, die den Auswirkungen von Computerbildschirmen angelastet werden und mehr allgemein, in unspezifische Symptome über alle Bereiche des Körpers. Neurologische Symptome wie Kopfschmerz und Ermüdung überwiegen in dieser letzten Gruppe. Es scheint einen Trend von reinen Hautsymptomen zu den mehr allgemeinen Symptomen zu geben, wenngleich dies nur für Schweden zutreffend sein könnte.

Symptome der Gesichtshaut und deren Zuordnung zu Computerbildschirmen sind weitgehend eine Erscheinung der nördlichen Länder, insbesondere Schweden. In anderen Ländern tendieren ES-Betroffene zu generellen Symptomen, die sie einem breiten Bereich elektromagnetischer Feldquellen zuschreiben. Mit Ausnahme von Problemen der Gesichtshaut und Computerbildschirmen gibt es keine konsistente Art von Symptomen und der damit verbundenen Zuordnung einer Ursächlichkeit. Manche Probanten stehen nur charakteristisch für bestimmte Ursachen; andere behaupten eine Empfindlichkeit für eine Spanne von Ursachen.

Es gibt keinen typischen Zeitraum von einer Feldeinwirkung bis zum Einsatz von Symptomen.

Elektrosensibilität kann zu schwerwiegenden Konsequenzen auf das Sozialverhalten von Betroffenen führen. Die Erfahrung aus Schweden zeigt, dass Probanten mit allgemeinen Symptomen eine schlechtere Prognose haben als solche, deren Symptome nur die Haut betreffen.

Es gibt weder einen konsistenten wissenschaftlichen Beweis einer Empfindlichkeit noch gibt es dafür pathophysiologische Marker.

Es gibt geographische Variationen in Bezug auf die Ausprägung von Symptomen, die zugeordnete Ursache der Feldeinwirkung und die vermutete Verbreitung der ES.

Es gibt nur wenig Erkenntnisse, wie den Betroffenen gezielt geholfen werden kann. Die Mehrzahl konventioneller medizinischer Bemühungen hat sich gegenwärtig in Richtung einer psychologischen Therapie bewegt, wie z.B. die kognitive Verhaltenstherapie. Eine Einschätzung dieses Ansatzes ist gegenwärtig nur begrenzt möglich, er zeigt aber ein gewisses Erfolgspotential.

Es bestehen erhebliche Parallelen zwischen ES und anderen Fällen, bekannt als Symptom basierte Fälle, funktionale körperliche Syndrome oder Umweltunverträglichkeiten ohne erkennbare Ursache.

Soweit aus den wenigen in England existierenden Erfahrungsberichten in der veröffentlichten Literatur sowie aus einigen berichteten Fällen auf Internetseiten von Unterstützergruppen hervorgeht, scheint in England die Gruppe mit allgemeinen Symptomen zu überwiegen. Es konnte jedoch keine brauchbare Abschätzung für die Verbreitung in England gefunden werden. Empfehlungen für die zukünftige Forschung beinhalten die Durchführung von Studien mit dem Ziel, ES zu beschreiben und zu verstehen und um die Verbreitung in England abzuschätzen. Dazu sollen Therapeuten verpflichtet werden, die schon jetzt die Leidenden behandeln. Sie sollen Ursachen bewerten, die in dieser Arbeit nicht identifiziert wurden, Behandlungsfelder definieren, wo eine solche Bewertung möglich scheint und belastungsfähige Versuche mit kognitiver Verhaltenstherapie durchführen.

Quelle: Health Protection Agency


zum Orginaldokument der Health Protection Agency
gesamtes Dokument der Studie (pdf, 156kB)
Seitenanfang
vorherige Seite