Augsburg (st) Ein umgekehrter Placebo-Effekt heißt Nocebo. Wenn zum Beispiel jemand denkt, dass er bei Vollmond nicht schlafen, kann, dann schläft er schon deswegen nicht. Wissenschartier der Universität Elchstätt haben erneut so eine selbst erfüllende Prophezeiung gefunden - in Augsburg. Sie beweisen: Wenn jemand denkt, dass ihm Handystrahlen schaden, dann schaden sie ihm schon deswegen.
Herausgekriegt haben die Forscher das folgendermaßen: Auf das Dach des Bayerischen Landesamtes für Umwelt in Augsburg wurde ein UMTS-Sender montiert. Ein Zufallsgenerator hat den Sender an- und ausgeschaltet, aber keiner wusste wann. "Doppel-Blindung" heißt dieses Verfahren, wo weder der Forscher noch das Versuchskaninchen wissen, was gerade Sache ist. Mitarbeiter des Landesamtes mussten nun täglich angeben, ob sie glaubten, dass die Antenne läuft oder nicht. Und ob sie irgendwelche körperlichen Beschwerden spürten, von Kopfschmerzen bis Atembeschwerden, von trockener Haut bis zu Allergien. Online hat ein Computer der Universität Eichstätt alles registriert und verglichen - der einzige, der den Überblick hatte.
Das Ergebnis: keinerlei Zusammenhang, außer einem:
Wer dachte, dass ihm die Strahlen schaden, der fühlte sich schlechter. Ob die Antenne tatsächlich sendete, hatte damit nichts zu tun. Das Fazit vom Eichstätter Professor Jürgen Hellbrück: "Die Ergebnisse unserer Pilotstudie unterstreichen die Notwendigkeit einer Doppel-Blindung bei solchen Untersuchungen. Nur so lässt sich sauber unterscheiden, ob Befindlichkeitsstörungen auf objektiven Ursachen beruhen oder auf persönlichen Erwartungen. Studien ohne Blindung, gerade zum Mobilfunk, sind mit Vorsicht zu genießen."
Quelle: Aichacher Zeitung, Aichach, vom 14.Juli 2007