Dachau (red) - Was bayernweit funktioniert, muss nicht für Dachau gültig sein. Was zuviel ist, ist zu viel, hat sich OB Bürgel offenbar mit seiner Ankündigung gedacht, den Runden Tisch Mobilfunk aufzulösen.
Nachdem die Bürgerinitiativen keinen Sinn mehr in ihrer Teilnahme sahen und lieber wieder auf die Straße gingen, sind nun neue Lösungen gefragt. Lösungen im Sinne einer Mehrheit der Dachauer Bürger, die nicht auf einer Verweigerungshaltung beruhen sollten.
Geschätzt wird, dass rund 25 000 Dachauer ein Mobiltelefon besitzen. Wer von diesen 25 000 an den Demonstrationen teilgenommen hat, ist zwar nicht bekannt; sicher ist aber, dass sie mit dem Handy telefonieren wollen. Sei es wegen der Arbeit, dem Freizeitspaß oder, was nicht unterschätzt werden sollte, auch in Notfällen.
Nun kommt aber die Physik ins Spiel; denn Mobilfunk funktioniert mit Radiowellen, die über so genannte Basisstationen die Kommunikation mit dem Handy ermöglichen. OB Bürgel hat deshalb am Runden Tisch versucht, einen allgemeinen Konsens in der öffentlichen Diskussion zu finden und sein Ziel zu erreichen, die Anzahl der Basisstationen gering zu halten.
Neben anderen Standorten das Beispiel Fünfkirchner Straße: Allein Vodafone hätte drei dieser Stationen zusätzlich bauen müssen, um diesen einen zu ersetzen. Der TÜV hat dies im Auftrag der Stadt geprüft und die Eignung als bestmöglichen Standort bestätigt. Doch dann kam der Protest und damit nun das Ende des Runden Tisches.
Was aber war der Sinn dieser Institution, die in anderen bayerischen Städten gut funktioniert? Dialog und Konsensfindung, sagen die Netzbetreiber, die den staatlichen Auftrag haben, diese Netze zu bauen. Ganz im Sinne des Bayerischen Mobilfunkpaktes II, der diesen Dialog fordert. Das sah auch der OB so, bis er zur Ansicht gelangte, die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Runden Tisch fehle.
Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Angst um die Gesundheit, mit der die Diskussion emotional geschürt wurde. Dass sich tagein tagaus ein ganzes Heer von Experten und Kommissionen mit diesem Thema beschäftigt (wir berichteten), geht dabei unter. Strahlenschutzkommission, die Umweltämter und -ministerien, das Bundesamt für Strahlenschutz etc..
Der wissenschaftliche Beweis der Gesundheitsschädigung konnte bis heute nicht gefunden werden. Oder vielleicht doch: Dr. Joachim Schahn von der Universität Heidelberg forschte in Schweden über elektroempfindliche Menschen und stellte fest, dass Mobilfunk sehr wohl krank macht - wenn man davon überzeugt ist. "Das ist keine Spinnerei", betont Schahn, "diese Menschen haben ernsthafte Beschwerden." Die Angst vor den Wellen sei die Ursache, die man nicht sehen kann.
Dennoch soll diesen Sorgen Rechnung getragen werden. Den Runden Tisch zu beenden, bedeutet nämlich auch eine Aufkündigung des Mobilfunkpaktes seitens der Stadt, so dass die Netzbetreiber in Zukunft den Ausbau ihrer Netze ohne Konsens betreiben könnten. "Wir bedauern diese Entwicklung sehr", betont Ernst Andersch, Pressesprecher von Vodafone in München.
Hinzu kommt, dass der Pakt die Beteiligung von Bürgerinitiativen nicht vorsieht. "Wer den Dialog sucht, wird ihn am Runden Tisch finden", sagt Andersch, "deshalb haben wir der Beteiligung der Mobilfunkkritiker auch zugestimmt." Die Teilnahme bedeute aber auch die Übernahme der Verantwortung, einen Konsens zu finden. Maximalforderungen brächten dabei nichts, weder von den Netzbetreibern, noch von den weiteren Beteiligten. Dies haben Städte wie Augsburg und München bereits erkannt und städtische Liegenschaften für Basisstationen wieder zur Verfügung gestellt. Denn je gleichmäßiger das Mobilfunknetz, umso geringer die erforderliche Sendeleistung des Handys und der Antenne. Ein Naturgesetz, das auch die Gegner nicht ändern können.
Eines haben die Mobilfunkkritiker erreicht: Man ist in Dachau wieder bei Null angelangt. Bleibt abzuwarten, was passiert, sollten 25 000 Dachauer Mobilfunknutzer auf die Straße gehen.