Grenzwertüberschreitung durch Handynutzung in Bahn?


Studie eines japanischen Physikers führt zu Verunsicherung

Handynutzung innerhalb von Eisenbahnwaggons könne Grenzwertüberschreitungen zur Folge haben. Dies sei das Resultat einer Studie, mit der ein Physiker derzeit von sich reden macht. Muß man sich wirklich Sorgen machen oder ist das alles nur Panikmache und Profilierung eines publicity-süchtigen Wissenschaftlers?

Hier beispielhaft eine Meldung vom 14.05.2002 von Heise Online:
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Vermehrte Handy-Strahlung im Zugwaggon

Der Physiker Tsuyoshi Hondou von der Tohoku-Universität im japanischen Sendai hat herausgefunden, dass Passagiere in einem Eisenbahnwaggon elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt sind, die über den internationalen Richtwerten liegt, wenn vermehrt mobil telefoniert wird. Hondou beschreibt seine Arbeit in der Fachzeitschrift Journal of the Physical Society of Japan (Vol.71,No.2,February,2002,pp.432-435).

Der Forscher stellte die Situation in einem Eisenbahnwaggon nach und berechnete mit einer speziellen Formel, wie viel Handystrahlung die Metallwände des Waggons reflektieren. So sei der empfohlene Grenzwert der Internationalen Strahlenschutzkommission für nicht-ionisierende Strahlen (der ICNIRP) in einem Waggon bereits überschritten, falls mehr als 20 Prozent der Reisenden ein Handy mit einer Sendeleistung von 0,4 Watt gleichzeitig benutzen. Dies sei der Fall, wenn beispielsweise ein Zug unvorhergesehen stoppe und mit Verspätungen zu rechnen sei -- in diesem Moment würden unverhältnismäßig viele Reisende zum Handy greifen und die Verspätung mitteilen. Der Physiker erklärt auch in seiner Studie, dass diese Werte ebenfalls auf andere Umgebungen übertragbar seien. So seien seine Berechnungen auch für Busse, Fahrstühle und sämtliche anderen geschlossenen Umgebungen, in denen sich auf kleinem Raum viele Menschen aufhalten, zutreffend.


Kommentar:
Um die maximal mögliche Strahlenbelastung durch den Betrieb eines Handys innerhalb eines "Metallkäfigs" zu berechnen, bedarf es keiner komplizierten Formeln. Unterstellt man, dass im Extremfall die gesamte Sendeenergie des Handys von den Metallwänden reflektiert wird, dann muß diese Leistung innerhalb des Käfigs absorbiert werden. Auch für die Annahme, innerhalb eines Fahrstuhles befände sich nur der nackte Handynutzer, läge seine durchschnittliche Absorptionsrate bei weniger als 5 mW/kg. Um den ICNIRP-Grenzwert von 80 mW/kg für Ganzkörperexposition zu erreichen, müsste er also gleichzeitig mit 16 Handys telefonieren! Mit jeder weiteren Person innerhalb des Aufzugs erhöht sich die Anzahl der für eine Grenzwertüberschreitung erforderlichen Handys proportional.

Lesen Sie dazu auch die Stellungnahme des Bundesamtes für Strahlenschutz.


Eine Pressemeldung der BITKOM geht ebenfalls auf diesen Sachverhalt ein:

Keine Grenzwertüberschreitung durch Handynutzung in Bahn, Auto, Fahrstuhl oder Bus

  • Japanische Studie weist gravierende Fehler auf
  • BITKOM fördert fundierte Information und Aufklärung der Bevölkerung
Berlin, 22. Mai 2002. - Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) weist die Behauptung zurück, dass in Eisenbahnwaggons, Fahrstühlen, Autos oder Bussen durch die Verwendung von Handys die Grenzwerte für elektromagnetische Felder überschritten werden. Dies sei wissenschaftlich völlig unbegründet. Schon aus energetischen Gründen müsste jeder Mitreisende mit mehr als 16 Handys gleichzeitig und mit maximaler Leistung telefonieren, um eine Überschreitung der Grenzwerte herbeiführen zu können. Die falsche Behauptung über eine mögliche Grenzwertüberschreitung geht auf eine Studie des japanischen Physikers Tsuyoshi Hondou im "Journal of the Physical Society of Japan" zurück. Der Autor berechnet dort das Verhalten elektromagnetischer Felder in Räumen, die von leitenden Wänden umgeben sind, wie z.B. bei Eisenbahnwaggons. Daraus kalkuliert er die theoretische Stärke des elektromagnetischen Felds, wie es durch Handys erzeugt wird. Diese Werte würden angeblich unter realistischen Bedingungen über den gültigen Grenzwerten liegen. "Mit fehlerhaften Annahmen aus dem in diesem Fall wackeligen Elfenbeinturm schürt man nur diffuse Befürchtungen in der Bevölkerung und erntet Kopfschütteln bei den Experten", kommentiert Dr. Uwe Kullnick, Experte für das Thema Mobilfunktechnik und Gesundheit bei BITKOM. Die Studie weist gravierende Fehler auf: Beispielsweise geht sie von nackten Blechkästen ohne Menschen und ohne Einrichtung aus. Auch bei der Anwendung der Grenzwerte ist dem Autor ein grundsätzlicher Fehler unterlaufen. Nicht die elektromagnetischen Felder, die unter Umständen außerhalb des Körpers vorhanden sind, sondern die vom Menschen absorbierten Feldanteile sind letztlich relevant und werden z.B. von der internationalen Strahlenschutzorganisation ICNIRP zur Festsetzung der Grenzwerte herangezogen. In Eisenbahnwagen, im Auto, Bus, Fahrstuhl oder anderen geschlossenen Bereichen bleibt die Exposition der Fahrgäste weit unterhalb dieser Grenzwerte, auch wenn viele Personen gleichzeitig ihre Mobiltelefone nutzen. Kullnick: "Mobilfunk ist eine sichere Sache, ob im Freien, im Auto oder an irgendeinem anderen, beliebigen Ort."

Kullnick ist Vorsitzender des BITKOM-Arbeitskreises "Mobilfunktechnik und Gesundheit", der sich mit dem Phänomen "Elektrosmog" beschäftigt. In dem Gremium sind die Fachleute der BITKOM-Mitgliedsunternehmen für den Bereich Elektromagnetische Felder und Gesundheit versammelt. Der Arbeitskreis ist das Forum der Hersteller und Netzbetreiber für die Öffentlichkeit. Die Mitglieder wollen zum einen über Sachzusammenhänge informieren und zum anderen Vorschläge und Anregungen aus der Öffentlichkeit aufnehmen und umsetzen. Ziel des Arbeitskreises ist es, über den Sachstand der Technik zu informieren und mit dem medizinischen und biowissenschaftlichen Kenntnisstand vertraut zu machen. Das Gremium arbeitet auf nationaler Ebene im Verbund mit dem Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) und auf internationaler Ebene mit dem Mobile Manufacturers Forum (MMF) zusammen.

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